Mehr Presse + Alexander Schewalowskij

Die Junge Welt findet, wie ich gerade erst sehe, ich habe „eine Musikgeschichte geschrieben, die das Bild der späten Sowjetunion und ihres Untergrunds bravourös umkrempelt.“ Außerdem: Swingende Hooligans! Die Zeit lässt sich gern ein unbekanntes Russland um die Ohren hauen: „Uli Hufens Das Regime und die Dandys ist ein Reiseroman, ein Hörabenteuer, in dem das rare Kunststück vollbracht wird, uns für etwas Unbekanntes zu interessieren, das uns, zugegeben, bisher auch gar nicht gefehlt hat. Vielleicht aber doch?“

Zur Feier des Tages Musik: Herauszufinden, wer Arkadij Sewernyj (hierhierhier und hier) und Kostja Beljajew waren, hat lange gedauert. Herauszufinden, wer Alexander Schewalowskij war, ist bis heute unmöglich. Mir jedenfalls. Die einzigen Informationen nach Jahren der Recherche: Alexander Schewalowskij stammt aus Lwow/Lviv/Lemberg in der Westukraine, hatte dort wegen Valuta-Spekulationen und ebenso illegalen Goldgeschäften Ärger mit dem Gesetz, floh nach Leningrad und nahm dort und in Odessa zwischen 1977 und 1979 12, 13 oder vielleicht auch 15 Bänder mit Musikern auf, die sonst auch für Sewernyj arbeiteten. Dann verschwand Schewalowskij wieder und niemand weiß genau, was aus ihm geworden ist. Er soll in Restaurants am Schwarzen Meer und im Kaukasus gesungen haben, er soll zwischen 1983 und 86 gesessen haben, er soll, er soll, er soll…

Es existiert genau ein Foto von Alexander Schewalowskij, aufgenommen in Leningrad in den späten 70er Jahren.

Und es existiert die Musik. Wenn Sewernyj der tragische Held war und Kostja Beljajew der fröhliche Zyniker, dann war Alexander Schewalowskij der Meister der seidenweichen, königlichen, gelangweilten Süffisanz. Der Mann ein Gespenst, die Stimme ein Wunder. Hören Sie selbst, aus dem wie üblich genialisch betitelten „Dritten Konzert mit dem Ensemble Oberton“:

„Privetsvie – Begrüßung“, in der Schewalowskij erläutert, dass das war er hier vorhat, keineswegs „blatnye pesni“/“Gaunerchansons“ sind, sondern „ulitschnye pesni“/“Straßenlieder“.

„Baracholka – Flohmarkt“, wo Schewalowskij beteuert, er persönlich habe keine Achtung für Diebe, begnüge sich gern mit einem kleinen Gehalt und kämpfe für die Ökonomie.

„Kommunalka – Die Kommunalwohnung“, in der ein Nachbar wie Fantomas aussieht, der zweite nicht mehr vom Klo hochkommt und die dritte auch nicht für Ordnung sorgen kann, sondern nur für Explosionen.

Und schließlich: „Auf den Wegen des menschlichen Lebens“

Ach, Schewalowskij! Wenn ich nur ein klein bisschen mehr über Dich gewusst hätte, wäre ein Kapitel über Dich in „Das Regime und die Dandys“. Призрак. Ghost. Zauberer.

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