Regime auf Reisen: Frankfurt, Leipzig, Köln

In den nächsten Tagen reise ich ein bisschen durch die Gegend, um aus „Das Regime und die Dandys“ zu lesen, Fragen zu beantworten, Videos zu zeigen und Musik zu spielen. Garik Osipow, der mich eigentlich dabei begleiten wollte und sollte, kann leider nicht kommen, weil er kein Visum bekommen hat bzw. weil er nicht bereit war, sich auf die Art zu erniedrigen, die von den deutschen Botschaften dieser Welt für ein Visum erwartet und verlangt wird. Einkommensnachweise, Wohnsitznachweise etc.

25.3. Köln, Litcologne (leider schon lange ausverkauft)

26.3. Leipzig – nato

28.3. Frankfurt – Fabrik

In Köln wird Natascha Scheel für Garik Osipow einspringen. In Frankfurt der wunderbare Alec Kopyt. In Leipzig gibt es statt Live-Musik einfach mehr Videos und Lesung. Kommt vorbei! Ich freue mich!

Hier singt Alec Kopyt zweimal „Manka“ – einen Klassiker des Odessa-Chansons.

Die deutsche Übersetzung von „Manka“ verdanken wir dem Umstand, dass der Schriftsteller Alexander Kuprin das Lied schon 1909 in seinem Roman Das sündige Viertel verewigte: „Doch plötzlich, zur allgemeinen Überraschung brach die dicke, meist schweigsame Katka in Lachen aus. Sie war aus Odessa gebürtig. ‚Bitte, ich möchte auch ein Lied singen. Das singen bei uns auf der Moldawanka und in Peressyp die Diebe und die Nutten in den Kneipen.‘ Und sie stimmte in fürchterlichem Bass, mit verrosteter Stimme, die ihr nicht gehorchte, ein Lied an, dabei vollführte sie die ungeschicktesten Gesten, ahmte aber offenbar eine drittrangige Chansonette nach, die sie irgendwo einmal erlebt hatte:

Ach, jetzt geh ich zum Krug hinein,

Setze mich zu Tisch,

Nehme ab meine Hütelein,

Werf es untern Tisch.

Und ich frage jetzt mein Lieb,

Was sie trinken will.

Doch sie mir die Antwort gibt:

Kopf tut weh, sei still!

Ach, ich hab dich nicht gefragt,

Was dir weh tut Kind.

Was du trinken willst – so sag,

Sag es nun geschwind:

Klares Wasser, Bier oder Wein,

Oder darf es ein Giftbecher sein?

Alles wäre gut abgegangen, wenn nicht auf einmal die blonde Manka ins Zimmer gestürmt wäre, nur in Unterhemd und weißen Spitzenhöschen. Ein Kaufmann, der am Vorabend Veranstalter einer „paradiesischen Nacht“ gewesen war, hatte mit ihr gezecht, und der unglückselige Benediktiner, der immer mit der Geschwindigkeit von Dynamit bei dem Mädchen wirkte, hatte sie in ihren üblichen Skandalzustand versetzt.“ (Alexander Kuprin: Das sündige Viertel, Berlin 1986, S.168f.)

Man sollte vielleicht dazu sagen, dass „Kak-to po prospektu s Mankoj ja guljal“ („Als ich einmal mit Manka spazieren ging“) im russischen Original absolut nichts von der balladenhaften Romantik hat, für die in der deutschen Übersetzung Worte wie „Hütelein“, „Krug“, „mein Lieb“ und „geschwind“ sorgen. Das Lied ist hart, ironisch und verwegen, ein grober Scherz über ein hartes Leben, zu dem man Tanzen kann und soll.

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