Wer Wodka ganz alleine trinkt/das Kollektiv nicht weiterbringt!

Kostja Beljajew (li.) in seinem Element.

Der unerbittliche Wolgaradler Christoph Brumme hat im Freitag einen feinen Text untergebracht. Zur Feier des Tages und weil es gerade passt zwei Hymnen: „Die Hymne der Junggesellen“ und „Die Hymne der Alkoholiker“. Der ganze Kostja Beljajew auf engstem Raum, in zwei perfekten Liedern. Die schneidende Stimme, die virtuosen Ba-Ba-Baps und, nicht zu vergessen, die nicht unterzukriegende Liebe zum ungebundenen Leben, ohne Partei, ohne Ehefrau, ohne Verpflichtungen, immer frei nach dem Marx-Brothers Motto: Ich will in keinem Klub Mitglied sein, der mich aufnehmen würde. Beljajews erste Aufnahmen entstanden 1968 auf Vermittlung des Bonvivants und Hans-Dampfs-in-allen-verbotenen-Gassen David Schenderowitsch, ein paar Hundert Meter vom Kreml im Kulturhaus der Wissenschaft und Technik auf der Wolchonka-Straße. Beljajew war 34 und hatte sein Leben fein organisiert: Im Sommer auf die Krim und nach Odessa, ansonsten in Moskau tagsüber so wenig wie möglich arbeiten, als Englischlehrer, abends singen und feiern, nebenbei mit Platten und Bändern handeln, kleine Geschäfte machen, das Reisebudget für den nächsten Sommer klar machen. Das Unwahrscheinlichste vom Unwahrscheinlichen: Eine sowjetische Boheme. Dazu Lieder, Lieder, Lieder.

Die Hymne der Junggesellen/Гимн холостяков

Die Hymne der Alkoholiker/Гимн Алкоголиков: Wer Wodka ganz alleine trinkt/das Kollektiv nicht weiterbringt!

Und weil ich gerade bei den Hymnen bin: Hier ist noch Igor Ehrenburgs „Hymne der Holzfäller“/“Гимн лесорубам“, in der die Geschichte einiger mythenverhangener Gewohnheitsdiebe erzählt wird, die in den 40er Jahren Schluss machen mit der kriminellen Welt und nach Sibirien aufbrechen, um dort den „langen Rubel“ zu finden. Nicht unwahrscheinlich allerdings, dass die guten Menschen Knysch, Albert und Tamara nicht ganz unfreiwillig aufbrechen zum Holzfällen. Immerhin war Igor Ehrenburg einer der begnadeten Ironiker des 20. Jahrhunderts.

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